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Darlehen von Verwandten

Darlehen in der Familie sind praktisch und unbürokratisch: man vertraut sich, fühlt sich einander verpflichtet und verzichtet in der Regel auf eine strenge Bonitätsprüfung. Gerade für kleine Unternehmen können Darlehen unter Verwandten eine interessante Finanzierungsmöglichkeit sein. So leiht etwa der Vater der GmbH des Sohnes 150.000 Euro für betriebliche Investitionen. Der Sohn kann die Zinsen als Betriebsausgaben steuermindernd abziehen, während der Vater Zinseinkünfte für sein Privatvermögen erzielt, die er allerdings versteuern muss. Unterm Strich kann die Familie sogar noch Steuern sparen. Deshalb schaut das Finanzamt genau hin.

Günstiger Abgeltungsteuersatz für Angehörige

Grundsätzlich gilt für Einkünfte aus Kapitalvermögen ein gesonderter Einkommensteuersatz von 25 %, der sog. Abgeltungsteuersatz. Ausnahme: Der individuelle Steuersatz ist anzuwenden, wenn zwei Bedingungen vorliegen (s. § 32d Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a EStG):

  • Gläubiger und Schuldner sind „einander nahe stehende Personen“
  • und der Schuldner kann – wie im o. g. Beispiel – die Schuldzinsaufwendungen als Betriebsausgaben oder auch als Werbungskosten (z.B. bei Vermietung oder für berufliche Zwecke) steuermindernd geltend machen.

Da der individuelle Steuersatz in der Regel höher als 25 % liegt (bis zu 45 %), wollte der Gesetzgeber mit dieser Regelung dem Gestaltungsmissbrauch vorbeugen. Der BFH hat allerdings im Jahr 2014 entschieden, dass Familienangehörige (Eltern, Kinder, Geschwister, Ehepartner u.a. im Sinne von § 15 AO) nicht ohne Weiteres „einander nahe stehende Personen“ im Sinne der gesetzlichen Regel sind.

Vielmehr muss dazu im Einzelfall ein beherrschender Einfluss des Darlehensgebers auf den Darlehensnehmer oder umgekehrt vorliegt. Ist das nicht der Fall, so ist der günstigere Abgeltungsteuersatz anwendbar (BFH Az. VIII R 9/13). Zinseinkünfte vom Sohn werden also ebenso behandelt wie Zinseinkünfte von der Bank.

Darlehensvertrag wie unter Fremden

Um Gestaltungsmissbrauch auszuschließen, prüft das Finanzamt auch den Darlehensvertrag. Er muss dem Fremdvergleich standhalten. Schließen Sie ihn schriftlich ab und regeln Sie die wichtigsten Punkte wie Zinssatz, Rückzahlung, Tilgungsleistungen, Sicherheiten und Kündigungsrecht. Der Zinssatz sollte sich nachweislich im Rahmen des Marktüblichen bewegen. Bei zinslosen Darlehen legt das Finanzamt einen Zinssatz von 5,5 % zugrunde.

Schenkung und Familiendarlehen

Innerhalb der Familie kann es vorteilhaft sein, Darlehen aus zuvor erhaltenen Schenkungen zu gewähren. Umgekehrt zählen zinslose Privatdarlehen schnell als Schenkung, obwohl dies gar nicht beabsichtigt ist, und fallen unter Umständen unter die Schenkungsteuer.

Sollten Sie ein Darlehen unter Familienangehörigen in Erwägung ziehen, lassen Sie sich unbedingt steuerlich beraten. Das gilt auch für die Gestaltung des Darlehensvertrages mit seinen Bedingungen.

Veröffentlicht durch: Dipl. oec. Marco Reimann, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer

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