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Hohe Steuerzahlungen – feilschen mit dem Fiskus

Eine unerwartet hohe Steuernachforderungen oder -vorauszahlung kann ein Unternehmen in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten stürzen, wenn die Geschäfte gerade schlecht laufen oder ein Liquiditätsengpass besteht. Das wissen auch die Finanzämter. Insolvenztreiber sollen sie nicht sein, aber auch keine Kreditinstitute. Dazwischen liegen die Ermessenspielräume des Finanzbeamten – und die Chancen für den Steuerschuldner.

Kommunizieren und begründen Sie!

Eine Verzögerungstaktik nach dem Motto: „Die halte ich hin bis zur Verjährung“ wird das Finanzamt nicht beeindrucken. Treten Sie lieber die Flucht nach vorne an und stellen Sie – am besten zusammen mit Ihrem Steuerberater – einen sorgfältig begründeten Antrag, um sich beim Fiskus als Gläubiger Luft zu verschaffen.

Dabei gilt generell: Selbstverschulden ist keine überzeugende Begründung. Ihre mangelnde Zahlungsfähigkeit darf also nicht etwa durch Verschwendung, riskante und teure Investitionen oder die Bevorzugung anderer Gläubiger gegenüber dem Fiskus entstanden sein. Dagegen argumentieren Sie überzeugend mit unvorhergesehenen wirtschaftlichen Problemen, Krankheit oder außergewöhnliche Belastungen, etwa durch Schadensbehebung nach Naturkatastrophen.

Einspruch gegen den Steuerbescheid

Vielleicht ist die hohe Steuerberechnung ja fehlerhaft. Prüfen Sie den Bescheid genau und legen Sie gegebenenfalls Einspruch ein. Beachten Sie: Die Einspruchsfrist beträgt einen Monat, und der Einspruch hemmt die Zahlungspflicht nicht. Es sei denn, Sie beantragen gleichzeitig beim Finanzamt die Aussetzung der Vollziehung (§ 361 Abs. 2 AO). Hierfür müssen aber entweder ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Steuerbescheides bestehen, oder die Zahlung muss für Sie mit einer besonderen Härte verbunden sein.

Absenkung der Vorauszahlungen

Soweit sich Ihre Einkünfte und der damit verbundene Gewinn gegenüber dem letzten Veranlagungszeitraum verschlechtert haben, sollten Sie beim Finanzamt nach § 164 Abs. 2 AO die Absenkung ihrer Vorauszahlungen beantragen.

Stundung (Zahlungsaufschub)

Auf Antrag kann das Finanzamt Steuerschulden ganz oder teilweise stunden. Voraussetzung dafür ist, dass die Einziehung bei Fälligkeit eine erhebliche Härte für den Schuldner bedeuten würde und dass die Zahlung durch die Stundung nicht gefährdet erscheint (§ 222 AO). Die Zahlung wird also aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.

Vollstreckungsaufschub

Wenn die Vollstreckung vorläufig, aber nicht dauerhaft, von unangemessenem Nachteil für Sie wäre, können Sie einen kurzfristigen Zahlungsaufschub erreichen (vgl. § 258 AO). Üblich ist die Vereinbarung von Ratenzahlungen.

Erlass der Steuerschuld

Beim Erlass verzichtet das Finanzamt endgültig auf die Forderung, und zwar in Gänze oder in Teilen. Das ist möglich, wenn die Einziehung nach Lage des einzelnen Falls dauerhaft unbillig wäre (§ 227 AO), sich die Zahlungsfähigkeit also auch mittel- bis langfristig nicht bessert, etwa aufgrund einer Existenzgefährdung, die auch durch die Zahlung der Steuerschuld entstünde. Die Maßnahmen zur Vermeidung der fristgerechten Zahlungspflicht sind in der Regel nicht kostenlos: es werden Zinsen erhoben (0,5 % pro Monat), manchmal auch ein Säumniszuschlag, um den Zahlungsdruck zu erhöhen (1 % pro Monat).

Es empfiehlt sich unbedingt, Probleme und Handlungsstrategien mit dem Steuerberater zu besprechen. Er kann auch für Sie Anträge mit überzeugenden Begründungen und Nachweisen erstellen.

Veröffentlicht durch: Dipl. oec. Marco Reimann, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer

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